Bisher werden E-Autos nach EU‑Klimaverordnung 2019/631 als „klimaneutral“ eingestuft. Grundlage dafür ist eine Messmethode, bei der die CO2-Emissionen ausschließlich am Auspuff in Form von Abgasen gemessen wird. Gut zu wissen: E-Autos haben keinen Auspuff!
Die neue Studie der Technischen Universität München (TUM) mit dem Titel „Defossilisation statt Dekarbonisation“ rüttelt jetzt an dieser exklusiven Brüsseler Sichtweise und Verfahrenslogik, indem sie den Blick auf den gesamten Lebenszyklus eines E-Autos bei der Bewertung des CO2-Fußabdrucks heranzieht.
Fazit der Studie:
1. „Sollte die EU weiterhin allein auf den Hebel einer Reduktion von CO2 in Abgasen setzen, werde sie ihre eigenen Klimaziele – Reduktion der Netto-Treibhausemissionen bis 2030 um mindestens 55 Prozent im Vergleich zu 1990 – massiv verfehlen.“
2. Zudem gäbe es „gravierende industriepolitische Konsequenzen“
Null am Auspuff bedeutet also nicht automatisch null über den gesamten Lebenszyklus!
Für uns zeigt die Debatte: Unterschiedliche Antriebe und Kraftstoffe sollten nach transparenten und vergleichbaren Kriterien über ihre gesamte Wertschöpfungs- und Nutzungskette bewertet werden. Das gilt für Elektromobilität ebenso wie für eFuels und andere Kraftstoffe.
Auch bei eFuels hängt die Treibhausgasbilanz unter anderem von der eingesetzten Energie, der CO₂-Quelle, der Herstellung und dem Transport ab. Pauschale Umweltversprechen wären daher nicht angemessen.
Sollte die EU nicht künftig lieber den vollständigen Lebenszyklus eines Fahrzeugs berücksichtigen – statt vor allem auf den Auspuff zu schauen?