Der Verbrennungsmotor prägt die Mobilität seit mehr als 130 Jahren. Im Zuge technologischer Entwicklungen und veränderter regulatorischer Rahmenbedingungen wird seine zukünftige Rolle neu bewertet.
Neben batterieelektrischen Antrieben werden auch erneuerbare und synthetische Kraftstoffe als mögliche Technologieoptionen für den Verkehrssektor diskutiert. Dadurch ergeben sich neue Perspektiven für bestehende Antriebssysteme.
Im Folgenden betrachten wir aktuelle Entwicklungen, technische Lösungsansätze und die mögliche Rolle des Verbrennungsmotors innerhalb eines technologieoffenen Mobilitätssystems.
Umwelt und Regulierung: Die großen Herausforderungen
Emissionen getrennt bewerten
CO₂ und andere Treibhausgase wirken auf das Klima. Stickoxide und Partikel sind dagegen Luftschadstoffe. Für den Vergleich von Antrieben sind zusätzlich Herstellung, Energieversorgung, Nutzung und Entsorgung zu berücksichtigen. Eine einzelne Abgaszahl bildet diese Gesamtbilanz nicht ab.
Emissionen und Klimawandel
Bei der Verbrennung kohlenstoffhaltiger Kraftstoffe entsteht CO₂. Elektrofahrzeuge verursachen im Fahrbetrieb keine Abgasemissionen; Emissionen aus Herstellung und Strombereitstellung gehören dennoch zur Lebenszyklusbilanz. Die UBA-Studie von 2024 kommt unter ihren Annahmen für Deutschland zu einem Klimavorteil batterieelektrischer Pkw gegenüber Pkw mit fossilen Kraftstoffen.
Regulatorische Maßnahmen
Die geltenden EU-Flottenregeln setzen CO₂-Ziele für neue Pkw und leichte Nutzfahrzeuge. Sie sehen ab 2035 eine Minderung der Flottenemissionen um 100 Prozent gegenüber dem Zielwert von 2021 vor. Bereits zugelassene Fahrzeuge sind davon zu unterscheiden.
Die Kommission hat im Dezember 2025 Änderungen vorgeschlagen; die Mitgliedstaaten prüfen den Vorschlag. Vorgeschlagene Flexibilitäten sind deshalb nicht mit bereits geltenden Regeln gleichzusetzen.
Quelle: Rat der Europäischen Union – geltende Regeln und Änderungsvorschlag (Stand der Prüfung: 23.09.2026).
Innovationen und technologische Fortschritte
Effizienzsteigerungen
Moderne Verbrennungsmotoren sind deutlich effizienter als ihre Vorgänger. Durch Techniken wie Direkteinspritzung, Turbolader und variable Ventilsteuerung konnte der Kraftstoffverbrauch erheblich gesenkt werden. Hybridantriebe kombinieren Verbrennungsmotoren mit Elektromotoren, um Effizienz und Leistung weiter zu steigern.
Abgasnachbehandlung
Fortschritte in der Abgasreinigung, beispielsweise durch den Einsatz von SCR-Katalysatoren und Partikelfiltern, tragen zur Verringerung bestimmter regulierter Schadstoffemissionen bei. Diese Technologien ermöglichen die Einhaltung geltender Emissionsgrenzwerte und reduzieren die Emission ausgewählter Luftschadstoffe im Fahrbetrieb.
Alternative Kraftstoffe
Die Entwicklung und Einführung alternativer Kraftstoffe wie eFuels, Biokraftstoffe und Hydrotreated Vegetable Oils (HVO) eröffnen neue Möglichkeiten. Diese Kraftstoffe können mit erneuerbaren Energien produziert werden und sind mit bestehenden Motoren und Infrastrukturen kompatibel.
Die Rolle von eFuels und synthetischen Kraftstoffen
Der Gamechanger für den Verbrennungsmotor?
eFuels und synthetische Kraftstoffe bieten eine vielversprechende Möglichkeit, den Verbrennungsmotor klimafreundlicher zu gestalten und die Dekarbonisierung des Verkehrssektors zu beschleunigen. Sie ermöglichen eine sofortige Reduzierung der CO2-Neuemissionen, ohne auf den vollständigen Übergang zu neuen Fahrzeugtechnologien und Infrastrukturen warten zu müssen.
Ein technologieoffener Ansatz, der eFuels neben Elektromobilität und weiteren Antriebstechnologien berücksichtigt, kann zusätzliche Optionen für die Defossilisierung des Verkehrssektors eröffnen. Investitionen in Forschung, Infrastruktur und geeignete regulatorische Rahmenbedingungen sind entscheidend, um die technischen und wirtschaftlichen Einsatzmöglichkeiten von eFuels weiterzuentwickeln.
CO₂-Neuemissionen und Treibhausgasbilanz
Mit CO₂-Neuemissionen sind hier CO₂-Emissionen gemeint, die durch die Nutzung fossiler Kraftstoffe zusätzlich in die Atmosphäre gelangen. Auch bei der Verbrennung kohlenstoffhaltiger eFuels wird CO₂ freigesetzt. Eine mögliche Minderung muss über den gesamten Lebenszyklus gegenüber einem konkret benannten fossilen Vergleichskraftstoff bewertet werden. Entscheidend sind insbesondere Strom- und CO₂-Quelle, Herstellung, Transport und Nutzung. Ein CO₂-Kreislauf allein belegt keine Klimaneutralität.
Japanische Unternehmen wie Toyota und Mitsubishi investieren bereits in die Erforschung und Einführung von eFuels als mögliche Technologieoption für die Defossilisierung des Verkehrs.
Verbrennungsmotor vs. Elektroauto: Konkurrenz oder Ergänzung?
Ökobilanz im Lebenszyklus
Ein belastbarer Vergleich betrachtet Fahrzeug- und Batterieherstellung, Energie- beziehungsweise Kraftstoffbereitstellung, Laufleistung und Entsorgung. Bei eFuels sind Strom- und CO₂-Quelle besonders wichtig. Eine generell gleich gute oder bessere CO₂-Bilanz gegenüber Elektroautos lässt sich daraus nicht ableiten.
Die UBA-Analyse 2024 ermittelt unter ihren Szenarioannahmen einen Klimavorteil für batterieelektrische Pkw. Ein einzelner alternativer Kraftstoff ist anhand seiner nachgewiesenen Lieferkette zu bewerten.
Infrastruktur und Ressourcen
Elektrofahrzeuge benötigen Ladepunkte und ausreichende Netzanschlüsse. Normgerechte, freigegebene eFuels können Teile der bestehenden Kraftstofflogistik nutzen; ihre Herstellung benötigt jedoch zusätzliche Anlagen und erneuerbare Energie.
Batterien benötigen je nach Chemie unterschiedliche Rohstoffe. Auch eFuel-Anlagen, Elektrolyseure und Energieanlagen verursachen Materialbedarf. Rohstoff- und Umweltwirkungen lassen sich daher nicht pauschal einer Technologie zuschreiben.
Einsatzgebiete nach Technologie
Batterieelektrische Antriebe kommen im Stadtverkehr, auf längeren Pkw-Strecken und zunehmend auch im Güterverkehr zum Einsatz. Eignung und Wirtschaftlichkeit hängen vom Fahrzeug, Einsatzprofil und Ladeangebot ab.
eFuels werden insbesondere für schwer direkt elektrifizierbare Anwendungen und geeignete Bestandsfahrzeuge diskutiert. Verfügbarkeit, Preis und Energiebedarf begrenzen ihre Einsatzmöglichkeiten.
CO₂-Neuemissionen und Treibhausgasbilanz
Mit CO₂-Neuemissionen sind hier CO₂-Emissionen gemeint, die durch die Nutzung fossiler Kraftstoffe zusätzlich in die Atmosphäre gelangen. Auch bei der Verbrennung kohlenstoffhaltiger eFuels wird CO₂ freigesetzt. Eine mögliche Minderung muss über den gesamten Lebenszyklus gegenüber einem konkret benannten fossilen Vergleichskraftstoff bewertet werden. Entscheidend sind insbesondere Strom- und CO₂-Quelle, Herstellung, Transport und Nutzung. Ein CO₂-Kreislauf allein belegt keine Klimaneutralität.
Mobilität für alle: Soziale Gerechtigkeit durch Technologievielfalt
Elektrofahrzeuge sind häufig mit höheren Anschaffungskosten verbunden als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor. Gebrauchte Elektrofahrzeuge sind bislang nur in begrenztem Umfang verfügbar, was den Zugang für einige Verbrauchergruppen erschweren kann. Die Möglichkeit, bestehende Fahrzeuge mit eFuels beziehungsweise erneuerbaren Kraftstoffen zu betreiben, kann eine zusätzliche Mobilitätsoption darstellen und den Weiterbetrieb vorhandener Fahrzeugflotten ermöglichen.
Der Erhalt und die Weiterentwicklung des Verbrennungsmotors können Arbeitsplätze sichern und Innovationen fördern.
In ländlichen Regionen ist die Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge oft unzureichend. Erneuerbare Kraftstoffe können dort eine zusätzliche Mobilitätsoption darstellen, da sie über die bestehende Kraftstoffinfrastruktur genutzt werden können.
Zukunftsszenarien: Wie sieht die Mobilität von morgen aus?
Szenario 1: Vollständige Elektromobilität
Chancen:
- Reduzierung der lokalen Emissionen
- Förderung erneuerbarer Energien
Grenzen:
- Infrastrukturbedarf
- Rohstoffabhängigkeit
- hohe Anschaffungskosten
Szenario 2:
Technologiemix
Vorteile:
- Nutzung der Stärken verschiedener Technologien
- Flexibilität
- schnellerer Übergang zur Klimaneutralität
Umsetzung:
Kombination von Elektrofahrzeugen, eFuels, Biokraftstoffen und Wasserstoff
Szenario 3: Fortsetzung des Status Quo
Risiken: Verfehlung von Klimazielen, Umweltbelastung, wirtschaftliche Nachteile durch Innovationsrückstand.
Verbrennungsmotor:
Abschied oder Neuanfang?
Der Verbrennungsmotor hat die Mobilität in den vergangenen Jahrzehnten maßgeblich geprägt. Angesichts der Anforderungen zur Minderung von Treibhausgasemissionen stehen verschiedene Technologiepfade zur Verfügung. Dazu gehören batterieelektrische Antriebe, Wasserstoffanwendungen sowie erneuerbare Kraftstoffe wie eFuels. Ein technologieoffener Ansatz kann unterschiedliche Antriebssysteme und Energieträger berücksichtigen und damit zusätzliche Optionen für die Defossilisierung des Verkehrs aufzeigen. Dabei können neben technischen Aspekten auch soziale und wirtschaftliche Rahmenbedingungen berücksichtigt werden.
Die Mobilität wird künftig voraussichtlich von verschiedenen Technologien geprägt werden. Durch einen technologieoffenen Ansatz können unterschiedliche Antriebssysteme und Energieträger je nach Anwendungsbereich eingesetzt werden. Der Verbrennungsmotor kann dabei in Verbindung mit erneuerbaren Kraftstoffen, wie beispielsweise eFuels, sowie weiteren Technologieoptionen eine mögliche Ergänzung innerhalb eines vielfältigen Mobilitätsmixes darstellen.
Die Frage ist nicht, ob der Verbrennungsmotor ausgedient hat, sondern wie wir ihn durch Innovation und Verantwortung in die Mobilität von morgen integrieren können.
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