„Der Irrtum vom grünen E-Auto“ (WELT) – was steckt dahinter?

„Die CO₂-Bilanz von E-Autos ist schlechter als behauptet. Von der Förderung profitieren vor allem Wohlhabende. Höchste Zeit, den Sonderstatus des Klimaschutz-Maskottchens abzuschaffen.“

Mit diesen zugespitzten Worten kritisiert ein WELT-Beitrag vom 10. September die politische Bewertung und Förderung von Elektroautos.

Was steckt hinter dieser Kritik?

Die EU-Flottengrenzwerte nach der Verordnung (EU) 2019/631 berücksichtigen insbesondere die während des Fahrbetriebs am Fahrzeug entstehenden CO₂-Emissionen. Batterieelektrische Fahrzeuge gelten in dieser regulatorischen Betrachtung daher als emissionsfrei. Das bedeutet jedoch nicht, dass sie über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg klimaneutral sind.

Für eine vollständige Klimabilanz müssen unter anderem die Rohstoffgewinnung, die Fahrzeug- und Batterieproduktion, der zum Laden verwendete Strom, die Fahrleistung sowie Recycling und Entsorgung berücksichtigt werden. Die Ergebnisse können deshalb je nach Fahrzeug, Batteriegröße, Strommix, Nutzung und Berechnungsmethode unterschiedlich ausfallen.

Auch das TUM-White-Paper „Defossilisation statt Dekarbonisation“ plädiert dafür, bei der politischen Bewertung von Antrieben und Energieträgern stärker den gesamten Lebenszyklus und die tatsächlich vermiedenen fossilen CO₂-Emissionen zu berücksichtigen.

Ein weiterer Kritikpunkt des WELT-Beitrags betrifft die soziale Verteilung staatlicher Fördermittel. Kaufprämien für Neuwagen können demnach stärker Haushalten zugutekommen, die sich überhaupt einen Neuwagen leisten können. Haushalte mit geringerem Einkommen greifen dagegen häufiger auf Gebrauchtwagen zurück oder besitzen kein eigenes Auto.

Daraus ergibt sich die politische Frage: Sollten Förderprogramme stärker danach bewertet werden, welche Klimawirkung sie über den gesamten Lebenszyklus erzielen – und welche Bevölkerungsgruppen tatsächlich von ihnen profitieren?
Heißt: Sollte die bisherige Sonderbehandlung von Elektroautos überprüft werden?

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